Der Bus war reichlich gefüllt, als unser Verein am Sonntag, 31. März 2019, die 1 1/2stündige Fahrt nach Ludwigslust, von manch einem liebevoll »LuLu« genannt, antrat. Unterwegs erzählte Marie-Luise Stedtfeld von ihren Erinnerungen, die sie mit diesem Ort verband. Vom Stift Bethlehem, dem Stadtbild, das einmal von Diakonissen und Diakonieschwestern geprägt war und wie der Herzog vor und nach der Wende seine ehemalige Residenz – er wurde 1945 in Ludwigslust gefangen genommen und nach Russland gebracht – besuchte.

 

Ausflugsziele waren das Barockschloss der Herzöge von Mecklenburg-Schwerin und die diesem gegenüberliegende Stadtkirche. Das Schloss war um 1735 als ein einfaches Jagdschloss entstanden. Etwa 35 Jahre später wurde der Bau der Stadtkirche abgeschlossen. Erst danach folgte der Ausbau des Schlosses zu einer prächtigen Residenz.

 

Foto: Beßenroth

Ludwigslust wird manchmal mit den Schlössern in Versailles oder dem Schloss Sanssouci in Potsdam verglichen, auch wegen des schönen, nordöstlich des Schlosses gelegenen Parks. Andererseits hatten die Bauherren in Ludwigslust Sparsamkeit walten lassen. Herzog Friederich soll damals die Bauarbei-ten persönlich beaufsichtigt haben. Auf teure Materialien wie Marmor und Edelholz war verzichtet worden, stattdessen kam mancherorts Pappmaché (»Ludwigsluster Carton«) zum Einsatz. Dem Ge-samteindruck tat dies aber keinen Abbruch.

 

Mittelpunkt des Hauptgebäudes ist der Goldene Saal. Zwölf korinthische Säulen scheinen die gold und weiß getönte Decke zu tragen. Anders als die klassizistisch geprägten Nebenräume kommt hier die Epoche des Rokokos zur Geltung. Heute finden hier gelegentlich Konzerte statt. Zu Zeiten von Herzog Friederich hatten Theateraufführungen noch als unsittlich gegolten.

 

Foto: Beßenroth 

 

Unsere Gruppe verbrachte hiernach einige Zeit im Park des Schlosses und machte sich dann auf den Weg zur Stadtkirche, nicht ohne unterwegs einen Blick auf die zum Mahnmal gewordene letzte Ruhestätte einiger Opfer des nahe Ludwigslust gelegenen Konzentrationslagers Wöbbelin zu werfen.

Johann Joachim Busch, der als Baumeister schon am Schloss maßgebend beteiligt war, hatte zuerst einen Kirchenbau nach Art einer ägyptischen Pyramide im Sinn gehabt. Doch Herzog Friederich war damit nicht einverstanden gewesen. Lediglich die Türöffnung ist von ägyptisch anmutenden Pylonen gesäumt. Hatte Herzog Friederich das wohl nicht richtig mitgekriegt? Auf einen Glockenturm war verzichtet worden. Der Herzog hatte Angst vor Gewitter, und dass der Blitz in den Turm einschlagen könnte. Die dem Altar gegenüberliegenden Sitzreihen der Herzogsfamilie gleichen einer Theaterloge, der Altarraum weist ein gewaltiges, auf kulissenartigen Ebenen angebrachtes Gemälde auf. Auch hier wurde der Verwendung von Pappmaché freien Lauf gelassen.

 

Foto: Beßenroth 

 

Auf dem Rückweg kehrte unsere Ausflügler-Gruppe in Neustadt-Glewe noch ins Burgrestaurant ein, bevor der Bus sie zurück nach Wismar nahm. Wir nahmen das Wissen mit, dass es eigentlich keiner Reise nach Versailles oder Potsdam bedurfte, um hervorragende historische Baukunst zu erleben.